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Sieben Monate als Fremdarbeiterin in Föhrenwald

Eva P. lebte im Lager Föhrenwald vom 29. August 1944 bis zum 6. April 1945. Ihren Aufenthalt dort konnte Marianne Balder anhand des privaten Briefwechsels zwischen 2000 und 2007 und einem persönlichen Gespräch in Prag am 10. Mai 2005 dokumentieren. 

Prag"Meine Erlebnisse aus Föhrenwald, die noch in meinem Kopf bleiben, teile ich Ihnen gerne mit: Obwohl es mehr als 60 Jahre her ist, einiges schwebt mir vor. Viele Einzelheiten sind verloren, aber die markanten bleiben. 

Meine Geschichte war ganz einfach und ähnlich mit der anderer junger Tschechen die damals als Arbeitskräfte nach Deutschland ausgewählt wurden. Zuerst wurden die im Jahr 1924 geborenen "berufen", später auch Jüngere. Es war nicht die Arbeitslosigkeit im damaligen Protektorat Böhmen und Mähren, sondern der Mangel an Arbeitskräften in den deutschen Betrieben. Unsere jungen Leute arbeiteten in verschiedenen Branchen der Industrie und auch als uniformierte Brigade als erste Hilfe nach Bombenangriffen. Ihre Pflicht war es, die Ruinen aufzuräumen, Verwundete zu bergen und Tote auszugraben. Das war eine sehr gefährliche Arbeit, denn nicht alle Bomben waren sofort explodiert.

Eva P. 1944Die deutschen Behörden im Protektorat bestimmten die Zahl der Arbeiter für die einzelnen Betriebe in Deutschland. In Frage kamen nur ledige, gesunde und für das heimatliche Unternehmen entbehrliche Kräfte. Bei der Auswahl im Betrieb spielten noch andere Umstände eine wichtige Rolle, wie Hass oder Rache bestimmte Personen betreffend, und persönliche Beziehungen. Ich war in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Klattau als Kanzleikraft beschäftigt. Oberaufsicht über das Unternehmen hatte die deutsche Führung, wie das damals üblich war. Einige Kollegen und ich erhielten die Vorladung zum lokalen Arbeitsamt. Wir bekamen die Dokumente – welche, kann ich nach den vielen Jahren nicht mehr sagen – und wahrscheinlich etwas Geld, eine Lebensmittelkarte, einen Fahrschein mit der Zielstation und einen Auftrag für das Münchner Arbeitsamt. [. . .]

Gebäude in der Ostmarkstraße (heute Bettingerstraße)Mit dem Zug bin ich in München angekommen und habe Glück gehabt. Als ich aus dem Zug ausgestiegen bin, war dort eine ältere Frau – wie ich jetzt – mit Gepäck. Und ich habe ihr geholfen. Sie fragte mich, wohin ich gehe, was ich hier mache. Ich sagte, ich müsse mich auf dem Arbeitsamt melden. Sie fragte weiter, wo ich übernachten würde, ich wusste es noch nicht. Da schrieb sie mir einen Zettel. Melden Sie sich dort, das ist eine gute Bekannte, und dort können Sie übernachten, bis Sie beim Arbeitsamt waren. Dann bin ich in die Landwehrstraße gegangen, den Namen der Familie habe ich aber vergessen. Sie waren sehr gut zu mir, ich habe ein Zimmer zum Übernachten bekommen und konnte auch baden. Es war ein Freitag oder Samstag, das Arbeitsamt hatte geschlossen.

Als ich dann (am Montag) beim Arbeitsamt war, fragte man mich, ob ich in München oder in Wolfratshausen arbeiten will. Vor München hatte ich Angst. Wie ich dann mit dem Zug nach Wolfratshausen gefahren bin, weiß ich nicht mehr, wohl über Grünwald. Dort war ein Lager, so kleine Häuser in Reihen, man sagte mir, wo ich wohnen werde. Dort waren Franzosen, und alle Nationen, nur Russen nicht. Sie waren in einem extra Lager. Sie haben mit uns gearbeitet, aber nicht gewohnt. Warum, das weiß ich nicht. Innen im Lager hinter den Toren führte eine Hauptstraße, welche die Baracken links für die Frauen und rechts für die Männer teilte. Die beiden Teile wurden in Quergassen aufgeteilt.

Grundriss Postamt - (C) Staatsarchiv MünchenIch erinnere mich an das Postamt, weil ich oft dort war, um meine Briefe nach Hause aufzugeben, an das Krankenhaus, an den Friseur. Es gab eine Kantine, wo wir alle gegessen haben. Zum Mittagessen, wenn die Deutschen, die Vorarbeiter, gekommen sind, haben sie immer gesagt: "Mahlzeit!" Und an der Tür vor der Kantine war geschrieben: "Hax’n abkratzen!" Und sonst kann ich mich an keine Gebäude oder Geschäfte erinnern. Links von dem Lager und vor dem Tor war eine Wiese, wo die ausländischen Soldaten für den Krieg vorbereitet wurden (z.B. ungarische usw.). Nicht jeder Ausländer galt als Feind. Ungarn, Kroaten und noch andere Nationen aus dem Balkangebiet kämpften mit den Deutschen zusammen. Diese Soldaten, die ich auf der Wiese – dem Exerzierplatz – sah, waren wirklich Ungarn. [. . .]

Eva P. 2005Am Ankunftstag regnete es. Dort in diesem Häuschen, parterre, war Waschraum, Dusche und WC, aber es gab nur kaltes Wasser. Es gab ein separates Haus für Frauen als Bad. Unter der Treppe der Ofen und dann ein Wohnzimmer mit dem Tisch und zwei Bänken. Und die Treppe hinauf war ein Zimmer. In der Mitte ein Tisch mit vier Sesseln (Stühlen), kleine Kleiderschränke, vier Pritschen mit Strohsäcken, zwei kleine Fenster, eins links, eins rechts. [. . .]

Und jetzt begann die Arbeit, ich bekam einen Ausweis und alles. Gearbeitet haben wir in zwei Schichten, in Morgenschicht und Nachmittagsschicht. [. . .]

Zuerst mussten wir runde Papierchen mit einer Pinzette in die leeren Kapseln hineinstecken. Die dienten als Unterlagen für die Füllung – Sprengstoff. Es war eine langweilige Arbeit. Wir saßen drei bis vier Frauen am Tisch, die ganze Schicht dasselbe ohne Bewegung. Später arbeitete ich an der Presse und habe die Kapseln gepresst – für mehr Geld, bzw. es wurde etwas Milch zugeteilt. [. . .]" 

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