Landratsamt Bad Tölz-WolfratshausenKÜNSTLERPORTALLEITPORTALARCHIVPORTAL
  • header_01
  • header_02
  • header_03
  • header_04
  • header_05
  • header_06
  • header_07
  • header_08
  • header_09

Der "Rest der Geretteten" in Föhrenwald

Festvortrag zur Ausstellungseröffnung „Lager Föhrenwald“ in Waldram am 6.10.1997 von Dr. Juliane Wetzel, Zentrum für Antisemitismusforschung in der TU Berlin 

Mit der Geschichte der Displaced Persons (DP-) Lager beschäftigt sich die historische Forschung erst in den letzten Jahren intensiver, der Öffentlichkeit ist dieser interessante Aspekt der deutschen Nachkriegsgeschichte immer noch weitgehend unbekannt. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Bevölkerung glaubte, mit der Befreiung im Jahr 1945 habe auch die Lagersituation ein Ende gehabt. DP-Lager sind zwar keineswegs mit Konzentrationslagern zu vergleichen, obgleich in den ersten Monaten in vielerlei Hinsicht noch Ähnlichkeiten festzustellen waren, besaßen sie doch Stacheldrahtumzäunungen und wurden von Wachen rund um die Uhr kontrolliert.

Mahnmal Auch wenn, vor allem in der amerikanischen Zone, im Herbst 1945 ein deutlich liberalerer Umgang Platz griff, ließen diese DP-Lager doch jegliche private Atmosphäre vermissen und wurden von der ansässigen Bevölkerung, es sei denn als Ziel für Tauschgeschäfte, gemieden, mit Vorurteilen belegt, aber auch als Bedrohung empfunden. Lebte man nicht in der Nachbarschaft eines solchen Lagers, wurde die Tatsache ihrer Existenz nicht einmal wahrgenommen, Interesse für die dort unter keineswegs normalen Umständen lebenden Menschen bestand nicht.

Im Mittelpunkt stand die eigene Zukunft, der Wiederaufbau, die Versorgung mit Lebensmitteln, eine Auseinandersetzung mit den Ursachen der desolaten Situation in Deutschland – nämlich der Folgen von zwölf Jahren NS-Diktatur – fand nicht statt. Da die DP-Lager eine unmittelbare Folge des nationalsozialistischen Terrors und der rücksichtslosen Ausbeutung der unter Zwang eingesetzten Arbeitskräfte waren, verblasste die Erinnerung daran ebenso schnell wie an das gesamte NS-System. Nur mit dieser Vorgabe glaubte man, zukunftsorientiert handeln zu können, das dadurch in den Köpfen der Deutschen entstandene geschichtliche Vakuum der vorangegangenen zwölf Jahre konnte auch die alliierte Umerziehungspolitik nicht beheben. 

Die DP-Lager waren Bestandteil der Besatzungszeit und bei Gründung der Bundesrepublik weitgehend aufgelöst, fielen also auch hier in eine Zeitspanne, die die deutsche Öffentlichkeit eher mit negativen Erinnerungen verbindet, weil sie es bereits damals für nicht angebracht hielt, ständig den Vorwurf ertragen zu müssen, sie habe sich der Verantwortung für die NS-Zeit entzogen.

Für die Überlebenden war mit der Befreiung keineswegs die psychische Belastung der Verfolgung beendet. Traumatische Erinnerungen prägten ihr Dasein. Alpträume hielten die Erlebnisse im Konzentrationslager, die alltäglichen Drangsalierungen, den Hunger und Durst, die Angst vor dem Weiterleben wach. Mit dieser Vergangenheit umzugehen überforderte viele Überlebende, manche flüchteten sich in Lethargie und verfielen in tiefe Depressionen. Als quälend erwiesen sich auch die Fragen nach dem eigenen Überleben, das man glaubte, auf Kosten von Familienangehörigen oder engsten Freunden verwirklicht zu haben.

Dieses Überlebenstrauma, die Auseinandersetzung mit der eigenen Unzulänglichkeit, die mit einer Idealisierung der Ermordeten kontrastierte, stellte sich bald als eine der unüberwindlichsten Barrieren heraus, mit dem Leben fertig zu werden. Ein aus Wien stammender, in Mauthausen befreiter Jude, beschreibt seine Empfindungen bei der Befreiung: "Ich lag in meine Decke eingewickelt im Block. Irgendjemand sah aus dem Fenster und ich hörte ihn auf jiddisch sagen: 'Ein amerikanischer Soldat.' Ich stand nicht auf. Ich bewegte mich nicht. Ich lag einfach da. Das Gefühl kann ich nicht beschreiben, man müsste ein neues Wort dafür erfinden. 'Ich habe es geschafft. Es ist mir gelungen'’ Aber dann dachte ich: Wer hat überlebt? Ich. Ich allein. Mein Vater ist eben gestorben. Meine Schwester und meine Mutter sind weg. Ich bedeckte meinen Kopf und weinte. Das war der Augenblick meiner Befreiung."

Gesamten Text als PDF downloaden

Zurück zur vorherigen Seite

 
Zur Webseite der Gemeinde Bad Heilbrunn Zur Webseite der Stadt Bad Tölz Zur Webseite der Gemeinde Benediktbeuern Zur Webseite der Gemeinde Bichl
 
Zur Webseite der Gemeinde Dietramszell Zur Webseite der Gemeinde Egling Zur Webseite der Gemeinde Eurasburg Zur Webseite der Gemeinde Gaissach
 
Zur Webseite der Stadt Geretsried Zur Webseite der Gemeinde Greiling Zur Webseite der Gemeinde Icking Zur Webseite der Gemeinde Jachenau
 
Zur Webseite der Gemeinde Kochel am See Zur Webseite der Gemeinde Königsdorf Zur Webseite der Gemeinde Lenggries Zur Webseite der Gemeinde Münsing
 
Zur Webseite der Gemeinde Reichersbeuern Zur Webseite der Gemeinde Sachsenkam Zur Webseite der Gemeinde Schlehdorf Zur Webseite der Gemeinde Wackersberg
 
  Zur Webseite der Stadt Wolfratshausen