Landratsamt Bad Tölz-WolfratshausenKÜNSTLERPORTALLEITPORTALARCHIVPORTAL
  • header_01
  • header_02
  • header_03
  • header_04
  • header_05
  • header_06
  • header_07
  • header_08
  • header_09

Ortsgeschichte


Kochel am See kann auf eine sehr alte Siedlungsgeschichte zurückblicken. Der Fischreichtum der beiden Seen Kochelsee und Walchensee zog bereits um 1.200 v. Chr. Vorkeltische Bewohner an. Im Jahre 739 wurden die beiden Klöster Bendediktbeuern und Kochel am See eingerichtet. Das Kochler Kloster fiel 955 den Ungarn zum Opfer und wurde nicht mehr aufgebaut.

Die Verbindung vom Kochelsee zum Walchensee über den Kesselberg ließ der Münchner Heinrich Barth von 1492-1495 von einem Saumpfad zur ersten Kesselbergstraße ausbauen. Neben florierendem Handel brachte dies jedoch auch
Schrecken und Leid, verursacht durch Übergriffe der Tiroler, ins Land. 1893-1897 erbaute man die Kesselbergstraße auf der heutigen Trasse neu. Zu Beginn dieses Jahrhunderts fanden dort bekannte Rennen mit berühmten Fahrern wie Hans Stuck und Manfred von Brauchitsch statt.

Berühmtheit erlangte der Ort durch den hünenhaften "Schmied von Kochel" Balthasar Mayer, der in der Weihnachtsnacht des Jahres 1705 während der Sendlinger Bauernschlacht heldenhaft gefallen sei und seitdem als bayerischer Volksheld verehrt wird. Während des spanischen Erbfolgekrieges besiegt Österreich-Habsburg das bayerisch-französische Heer und nimmt München ein. Die Bauern des bayerischen Oberlandes verbünden sich und planen, München in der Christnacht 1705 wieder zurückzuerobern. Dieser Plan wurde jedoch verraten, und so erwarteten nicht Münchner Bürger, sonden übermächtige kaiserliche Truppen die Oberländer. Die Bauern, bewaffnet mit Sensen, Morgensternen und nur wenigen Büchsen wurden von den überlegenen Habsburgern mit Musketen und Kanonen zurückgedrängt und fanden in Sendling noch einmal geringen Schutz. Auf dem Sendlinger Friedhof scharten sich die letzten überlebenden Bauern um jenen mutigen Schmied von Kochel, der dort getreu der Losung des Aufstandes "lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben" fiel. Diese grausame und blutige Schlacht ging als "Sendlinger Mordweihnacht" in die Geschichte ein.
 Viele Jahrhunderte gehörte Kochel zum Klosterland Benediktbeuern. Im Rahmen der Säkularisation und der daraus resultierenden modernen Staatsbildung Bayerns entstand die selbständige Gemeinde Kochel am See.
 Anfang dieses Jahrhunderts inspirierte die grandiose Landschaft des 2-Seen-Landes zahlreiche Künstler. Es entstanden Begriffe wie "Malerwinkel" oder "Blaues Land", die sich in vielen bekannten Werken wiederspiegeln. Der Walchensee zog Lovis Corinth in seinen Bann und fand in etwa 60 seiner Bilder, die weltweit zu finden sind, Beachtung. In der Gegend um den Kochelsee fand Franz Marc zusammen mit einigen bekannten Künstlerkollegen des "Blauen Reiter" unzählige Motive für viele weltbekannte Werke.
 Ebenfalls im ersten Viertel dieses Jahrhunderts entstand das Walchenseekraftwerk nach Plänen des berühmten Oskar von Miller. Dieses damals sehr umstrittene Projekt sorgt für eine Verbindung der beiden Seen. Das Wasser des Walchensees stürzt durch sechs Rohre 200 Meter in die Tiefe, erzeugt dort elektrischen Strom, und wird dann in den Kochelsee geleitet. Unter Anbetracht der damaligen schlechten technischen und wirtschaftlichen Lage ist diese bauliche Leistung besonders zu würdigen. 
  


Lexikon zur Geschichte von Kochel a. See


1600 v. Chr. In dieser Zeit etwa beginnt die Siedlungsgeschichte auf der sog. Birg bei Altjoch, einem Felskegel direkt am Ufer des Kochelsees gelegen. Ehedem sicherten starke Verteidigungswälle die Westflanke. Die anderen Seiten sind aufgrund steiler Felswände von Natur her unzugänglich. Am höchsten Punkt befindet sich ein Ringwall mit ca. 75 Meter Durchmesser, die sog. Akropolis. Gegen 700 v. Chr. endet die Besiedlung.
 
Archäologische Grabungen von 1911 u. 1937 ließen ein Reihe von Stellen erkennen, an denen einst Wohnhütten standen. Fundstücke waren zahlreiche Tonscherben, Holzkohle, zwei Fragmente eines Feuerbocks, Mahlsteine aus Granit, Webstuhlgewichte, Klopfsteine aus Serpentin, Bronzefragmente, ein Bronzedolch, eine Glasperle.
 

Über die antike Funktion der Birg können nur Spekulationen angestellt werden: Wegstation zwischen dem Münchener Raum und dem Inntal oder Zusammenhang mit den Erzvorkommen am Kesselberg.
 
739 Auf die Zeit um 739 wird die Gründung der Kocheler Frauenklosters datiert. Dieses Kloster wurde nach Aufzeichnungen aus dem 11. Jahrhundert vom altbaierischen Adelsgeschlecht der Huosi gegründet, zu dem auch die erste Äbtissin, Gailswindis, gehörte. Der Ort Kochel hieß damals übrigens noch Ascahi, was im Althochdeutschen soviel wie Eschenort bedeutet.
 
Bedeutung erlangte das Kocheler Frauenkloster insbesondere durch ihren  Handschriftenreichtum. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts trat Kisyla (Gisela), eine hochadelige Dame, möglicherweise aus dem fränkischen Königsgeschlecht in das Kloster ein. Sie machte hierbei eine umfangreiche Bücherschenkung und brachte, so die Überlieferung, auch Priester mit, die weitere Handschriften anfertigten. Die Staatsbibliothek in München bewahrt heute unter der Nr. Clm 4542 den sogenannten Kisyla-Codex auf.
 
Die erste klösterliche Tradition endete jedoch im Jahr 908 (?) durch Zerstörung bei den Ungarneinfällen. Wo das Kloster gestanden hat, ist archäologisch noch nicht nachgewiesen. Vieles spricht für den Standort am einstigen Kalmbach östlich vom Dorfplatz.
1048   Das erneuerte Kloster Benediktbeuern erlangt von den Grafen von Ebersberg die Grundherrschaft über Kochel.
 
1492 Damals wurde der alte Saumpfad über den Kesselberg als Straße ausgebaut. Es war der Münchener Patrizier Heinrich Barth der den Plan zum Straßenbau hatte. Barth war damals rund um den Kesselberg mit Bergbauaktivitäten beschäftigt. Dabei wurde ihm bewusst, dass eine Strasse über den Kesselberg den Weg zwischen München und Tirol beträchtlich abkürzen könne. Bart konnte Herzog Albrecht IV. von seinem Straßenbauprojekt überzeugen. Der bayerische Herzog bezahlte schließlich die Baukosten. Davon kündet auch eine marmorne Gedenktafel an der Straße von 1492 (Replik, das Original befindet sich im bayerischen Nationalmuseum in München).
 
Sogleich nach ihrer Eröffnung hatte die Straße überragende Bedeutung. Sie wurde passiert u.a. mehrmals von Kaiser Maximilian I. (1493 - 1519), von Kaiser Karl V. (1519 - 1556) und zahlreiche Heerzügen von und nach Italien im 16. Jahrhundert. Anfang 1703 zieht sich Herzog Max Emanuels Armee über den Kesselberg aus Tirol zurück; im März und April des gleichen Jahres zog jeweils ein brandenburgisches Heer durch. 1809, im bayerisch-französischen Krieg gegen Österreich ist die Straße wegen ihrer strategischen Bedeutung umkämpft.
 
Die starken Steigungen der Straße, stellenweise bis zu 25%, konnten nur mit erheblichem Vorspann bewältigt werden. Dieser Umstand hat u.a. dazu geführt, dass die früher so außergewöhnliche Bedeutung schwand. Schließlich erfolgte 1893 - 97 der Bau der heutigen Trasse mit einer maximalen Steigung von 5%. Die sogenannte alte Kesselbergstraße von 1492 stellt heute jedenfalls einen interessanten Wanderweg dar.
 
1704 Am 28. Januar 1704 ereignete sich das sogenannte Anasthasiawunder. Damals waren von Ohlstadt her kommend 2.000 Mann Tiroler Kriegsvolk im Anrücken, um das Benediktbeuerer Klosterland zu plündern. Die Loisachbrücke bei Brunnenbach wurde von Seiten des Klosters in letzter Minute abgetragen. Die Tiroler versuchten, über den gänzlich zugefrorenen Kochelsee vorzurücken. Im Kloster betete man inbrünstig zur viel verehrten Hl. Anastasia. Dann geschah das Wunder: am Nachmittag setzte ein derartig heftiger Föhn ein, dass das Eis zu brechen begann. Den Tirolern blieb nichts als ein hastiger Rückzug, um sich zu retten. Im Andenken an dieses Ereignis wurde die Kapelle in Altjoch 1715 der Hl. Anasthasia geweiht.
 
1809 Am 17. Juli 1809 kam es im südlichen Teil von Kochel, am Schelmbichl, zu einem größeren militärischen Zusammenstoß zwischen den Bayern und den Tirolern. Damals hatten sich die Tiroler unter Andreas Hofer gegen die Eingliederung nach Bayern erhoben.
 
Während die bayerischen Truppen an de Seite Napoleons an anderen Kriegsschauplätzen gebunden waren, fielen die Tiroler immer wieder ungestört ins bayerische Voralpenland zu umfangreichen Plünderungen ein. Zum Grenzschutze wurde daher eilends ein Gebirgsschützenkorps unter Oberst Graf Arco aufgestellt.
 
Nach vielen kleineren Scharmützeln drangen die Tiroler am 17. Juli 1809 mit gut 2.000 Mann über den Kesselberg vor, um einen Angriff gegen München zu führen. Am Schelmbichl trafen sie jedoch auf den erbitterten Widerstand von 400 Mann des Gebirgsschützenkorps Arco. In gut gesicherter Stellung und überlegen postierten Kanonen konnten sie den mit Übermacht vorgetragenen Attacken in achtstündigem Gefecht standhalten.
 
An den glücklichen Ausgang des Gefechtes erinnert noch heute das Tiroler Kreuz am Schelmbichl.
 
1861 In diesem Jahr wurde das ‚Bad Kochel‘ etabliert. Ein Jahr zuvor hatte man eine hochwertige Natronheilquelle (‚Marienquelle‘) erschlossen. Im Gästebuch des Bades waren viele prominente Gäste verzeichnet: neben vielen anderen Adeligen, König Ludwig II., Fürst Bismarck und russische Großfürsten.
 
Etwa 1920 versiegte die Heilquelle. In der Folgezeit richtete der Orden der St.-Anna-Schwestern in den Gebäuden ein Heim für schwererziehbare Mädchen ein.
 
1898 Damals wurde die Bahnstrecke nach Kochel eröffnet. Die nunmehr bestehende schnelle Verbindung nach München bescherte dem Land an Kochel- und Walchensee einen rasch wachsenden Tourismus.
 
1925 erfolgte die Elektrifizierung. Heute wir die Strecke bis Mitternacht im Stundentakt bedient.
 
1924 Im Jahr 1924 wurde nach sechsjähriger Bauzeit das Walchenseekraftwerk in Altjoch in Betrieb genommen. Das Kraftwerk nützt die Höhendifferenz zwischen Walchen- und Kochelsee von rund 200 Metern.
 
Das Walchenseekraftwerk zählt auch heute noch zu den größten Hochdruck-Speicherkraftwerken Deutschlands. Die Turbinen liefern insbesondere den wertvollen Spitzenstrom aber auch Bahnstrom.
 
Um das Wasservolumen zu erhöhen, wird die Isar bei Krün zum großen Teil in den Walchensee abgeleitet. Seit 1947 wird auch der Rissbach ‚angezapft‘.
 
Die Anlage ist ein voll funktionsfähiges Industriedenkmal. Ein sehr informatives Besucherzentrum ist angegliedert.
 
1954 Vom Ort Walchensee aus wird ein Sessellift auf den Herzogstand, einem der bekanntesten bayerischen Aussichtsberge, gebaut. Ein Schlepplift in der Herzogstandmulde ergänzt das Angebot um den alpinen Skilauf. Seit 1994 ersetzt eine moderne Gondelbahn den alten Sessellift.
 
1972 Im Juli des Jahres wurde das Bade- und Freizeitzentrum ‚trimini ‘ eröffnet. Das trimini umfasst Hallen-, Heiss-, großes Freibecken sowie Gaudigumpen, Sauna, Wasserrutschen, große Freiflächen, Spielzonen etc. Die Lage direkt am Kochelsee und der Blick auf die dahinter liegende Bergwelt ist ein besonderes Erlebnis

 

Zurück zur vorherigen Seite

 
Zur Webseite der Gemeinde Bad Heilbrunn Zur Webseite der Stadt Bad Tölz Zur Webseite der Gemeinde Benediktbeuern Zur Webseite der Gemeinde Bichl
 
Zur Webseite der Gemeinde Dietramszell Zur Webseite der Gemeinde Egling Zur Webseite der Gemeinde Eurasburg Zur Webseite der Gemeinde Gaissach
 
Zur Webseite der Stadt Geretsried Zur Webseite der Gemeinde Greiling Zur Webseite der Gemeinde Icking Zur Webseite der Gemeinde Jachenau
 
Zur Webseite der Gemeinde Kochel am See Zur Webseite der Gemeinde Königsdorf Zur Webseite der Gemeinde Lenggries Zur Webseite der Gemeinde Münsing
 
Zur Webseite der Gemeinde Reichersbeuern Zur Webseite der Gemeinde Sachsenkam Zur Webseite der Gemeinde Schlehdorf Zur Webseite der Gemeinde Wackersberg
 
  Zur Webseite der Stadt Wolfratshausen