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Bewahrung und Restaurierung von Schriftgut

Stark beschädigte SeiteKommunale Archive sind nicht nur verpflichtet, Archivalien zu ordnen, zu erschließen und der Öffentlichkeit zugäng- lich zu machen, sondern auch, das Schriftgut für die Zukunft zu erhalten. Die Depoträume sollten nach Möglichkeit kühl und trocken sein. Die optimale Temperatur liegt zwischen 12 und 18°C. Oberhalb dieser Temperatur droht Austrocknung und Schädlingsbefall. Mit einer Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55% (relative Feuchte) verhindert man die Bildung von Schimmel und Mikroorganismen. Evtl. sollte ein "Luftentfeuchter" angeschafft werden.

Die Akten sind in säurefreien Kartons oder Schachteln mit Lüftungsschlitzen aufzubewahren, Karten und Pläne liegend, nicht gerollt. Plastikhüllen (Weichmacher), Heft- und Büroklammern (Rostfraß) sind zu entfernen. Früher gut gemeinte "Reparaturen" mit Tesafilm oder Paketklebeband gehören in eine Restaurierungswerkstatt.

Vorbereitung zur RestaurierungSeit dem 19. Jahrhundert ist das Papier sauer, es zerstört sich selbst. Es gibt chemische Verfahren zur Entsäuerung mit Calcium- oder Kaliumkarbonat. In Leipzig steht die größte Entsäuerungsanlage. Dort wird mit Gas gearbeitet. Es ist das zweitbeste Verfahren, das rascheste und das preiswerteste.

Ist altes Schriftgut aus Hadernpapier oder Pergament durch Schimmelpilze, Insekten oder auch durch Licht oder Staub geschädigt, gibt es in München und Umgebung gute Restaurierungswerkstätten. Ratschläge erteilen das Bayerische Hauptstaatsarchiv und die Staatsbibliothek München. Dort werden auch Restauratoren ausgebildet.

StockfleckenBei einer Restaurierung sollen nach Möglichkeit der ursprüngliche Zustand und eine angemessene Gebrauchsfähigkeit wiederherge- stellt werden. Wie notwendig regelmäßige Kontrollen des Schriftguts sind, wird am Beispiel des Wolfratshauser Archivmaterials aufgezeigt:

Im Jahr 1908 stellte das damalige "K. allgemeines Reichsarchiv" neun geschädigte Bände fest und forderte, diese baldmöglichst restaurieren zu lassen. 1993 hatte sich die Anzahl der durch Schimmel, Insektenfraß und Klebeband geschädigten Bände verzehnfacht. Ein Band war völlig zerstört. 1994 entschloss sich die Stadt zu handeln. Seitdem wurden und werden die betroffenen Urkunden, Karten und Bände in eine Fachwerkstatt gegeben.

Altes PergamentDie älteren Urkunden bis zum 17. Jahrhundert sind aus Pergament. Viele Siegel waren nicht mehr vorhanden. Das Perga- ment – also ungegerbte, glatt geschliffene Tierhaut – wurde nass gereinigt, gegebenenfalls ausgebessert und Schimmelsporen abgetötet. Letzteres wurde versuchsweise mit Mikrowelle gemacht. Man entschied sich dann aber für eine chemische Behandlung, da es hier schon Langzeiterfahrung gibt.

Handgezeichnete Karten aus Papier waren klein gefaltet, die Kanten daher gebrochen, kleine Teile fehlten. Bruchstellen waren stellenweise mit Klebeband repariert worden, welches sich mit der Zeit ablöste, der Klebstoff blieb am Papier haften. Nach der aufwändigen Reinigung wurden die Kartenteile auf Leinen aufgezogen. Die beschädigten Bände wurden zumeist völlig auseinandergenommen. Die Buchdeckel aus Holz, Pappe oder Makulatur (siehe weiter unten) waren mit Pergament bespannt. Dies wurde wie die Urkunden behandelt. Das Holz konnte wiederverwendet werden, die Pappe wurde erneuert.   

MakulaturFür die Makulatur waren nicht mehr gebrauchte Handschriften oder Buchseiten zusammengeleimt worden, bis eine Art Karton entstand. Da vor allem die Handschriften ein Zeugnis aus dem Alltag des 16. und 17. Jahrhunderts waren, wurden die Blätter wieder voneinander getrennt und restauriert. Für den Einbanddeckel nahm man stattdessen Pappe. Für die Restaurierung der Textseiten, also des Hadernpapiers, gibt es zwei Möglichkeiten: das Spalt- und das Einbettverfahren. Ersteres erwies sich für die Wolfratshauser Bände als ungeeignet. Das Papier quillt nach einem Spezialbad auf, es kann in zwei Teile gespalten werden. Dünnes Japanpapier wird dazwischen gelegt und unter hohem Druck geleimt.

Historisches Dokument von 1764Das Einbettverfahren – nach Restaurierung der Blätter – mit dem extrem dünnen und transparenten Japanpapier hat den Vorteil, dass brüchige Kanten gefestigt und geschützt sind. Als Klebstoff wurde Weizenstärke oder Hautleim verwendet, als Chemikalie Tylose MH 300. Durch die vorherige Reinigung der Blätter ist die Schrift gut lesbar, die Tinte kontrastreicher. Zum Schluss wurde der Buchblock mit Fadenheftung zusammengehalten und wieder mit dem Buchdeckel verbunden.

Die Werkstatt fertigt für jedes restaurierte Objekt einen genauen Bericht an, in dem Schaden, Behandlung und Restaurierungsmaterial aufgeführt werden.

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