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1618-1648 - Der "Schwedische Krieg" in Bayern

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) ist nicht überraschend ausgebrochen. Der Kampf um die Macht in Europa beginnt bereits Anfang des 17. Jahrhunderts. Die protestantische "Union" (1608–1621) und die katholische "Liga" (1609–1635) stehen sich von Anfang an feindlich gegenüber. Beide Organisationen sind Interessenallianzen bestimmter deutscher protestantischer bzw. katholischer Einzelstaaten.

 

Zum eigentlichen Anlass des Krieges wird der Prager Fenstersturz, als Mitglieder der selbstbewusst gewordenen böhmischen Stände am 23. Mai 1618 in den Hradschin eindringen und einen vorgefertigten Urteilsspruch gegen die königlichen Beamten Wilhelm von Slawata und Juroslaw Martinitz verlesen, um sie dann kurzerhand aus dem Fenster zu stürzen. – Die Bestraften landen jedoch unversehrt auf einem Misthaufen und können entkommen. Die Katholiken sehen das als ein Zeichen des Himmels an.

 

In den Jahren 1618 bis 1629 tobt der Krieg vor allem im Norden Deutsch-lands. 1630 erhält er durch Eingreifen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf neue Nahrung. Im März 1632 dringen die Schweden zum ersten Mal bis nach Bayern vor. Ganz Süddeutschland steht den schwedischen Truppen offen. Die Stadt Augsburg öffnet am 24. April ihre Tore und Gustav Adolf hält triumphalen Einzug. Über Ingolstadt und Moosburg ziehend erreicht er die alte Herzogstadt Landshut und die Bischofsstadt Freising. Gegen Zahlung von 100.000 bzw. 20.000 Reichstalern können sich die Orte von Plünderung und Brandschatzung freikaufen.

 

Die schwedischen Truppen sind weit über das Land zerstreut. Ein Regiment erreicht am Freitag, den 7. Mai 1632, Wolfratshausen. Den angegebenen Daten in den alten Rechnungs- und Protokollbänden nach zu urteilen, erledigen sie hier ihr Vernichtungswerk in zwei Tagen und ziehen dann weiter.

 

Erst neun Tage später, am Pfingstsonntag während des Gottesdienstes, nimmt eine schwedische Reiterabteilung kampflos die Festung München ein. Am folgenden Tag, dem 17. Mai, nähert sich König Gustav II. Adolf mit einigen protestantischen deutschen Fürsten von Ismaning kommend der Stadt und hält feierlichen Einzug. Es heißt, dass etwa in der Gegend des Maximilianeums Bürgermeister Ligsalz den schwedischen König kniend mit dem Stadtschlüssel erwartet. Der König ist hingerissen von der Schönheit der Stadt, der kurfürstlichen Residenz und den prachtvollen Gebäuden. München, soll Gustav II. Adolf damals gesagt haben, stelle sich ihm als ein goldener Sattel auf einer dürren Mähre dar. Also möchte er auch hier Geld: 300.000 Gulden, was etwa dem Preis von 20.000 Pferden entspricht, sollen es sein.

 

So reich sind die Kassen aber nicht gefüllt, nur etwa die Hälfte kann an Geld und Juwelen zusammengebracht werden. Als Pfand für die verbleibende Schuld wird die Auslieferung von 44 Geiseln verlangt. Es dauert drei Jahre, bis die Geiseln im Vorfeld des Prager Friedens (20. Mai 1635) ihre Freiheit wieder erlangen.

 

Gegen Ende Mai 1632 verlässt Gustav II. Adolf München. Er führt viel Beutegut mit sich: Aus der Bibliothek und der Bildersammlung werden kostbare Stücke mitgenommen. Das, was er am liebsten mitgenommen hätte, muss er allerdings zurücklassen: Er soll gesagt haben, stünde die Residenz auf Rädern, würde er sie nach Stockholm rollen. 

 

Bis Mitte Juni 1632 ziehen die Schweden ihre Hauptstreitmacht aus Südbayern wieder ab, im Westen bleiben aber starke Einheiten präsent, so dass es weiterhin zu Scharmützeln kommt. Und das, was nachkommt, ist auch nicht besser. In Aufzeichnungen heißt es: "verderbenß, so durch freundt: und Feindts Volckh geschechen". Kaiserliche Einheiten, die sich im Umland von München breitmachen, nehmen der Landbevölkerung ab, was den Besuch der Schweden überstanden hat. Auch davon ist in den alten Wolfratshauser Bänden zu lesen.

 

Mit den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein sehen sich die Schweden zum ersten Mal seit ihrem Eingreifen in den Krieg einem gleichwertigen Gegner gegenüber. In Sachsen endet ihr Siegeslauf im Spätherbst 1632. Nahe bei Lützen gerät der schwedische König am 16. November in eine Schar feindlicher Kürassiere und findet dabei den Tod.

 

1635 greift Frankreich auch direkt in den Krieg ein. Doch allmählich beginnen die Kräfte auf beiden Seiten zu erlahmen. Ab 1644 kommt es zu regelmäßigen Friedensverhandlungen in Osnabrück und in Münster. Doch gerade in den Jahren 1646 und 1648 wird Bayern noch einmal zum Operationsgebiet großer Armeen, auch die Gegend südlich von München ist davon betroffen. Eintragungen in den Wolfratshauser Archivalien zeugen davon.

 

Am 24. Oktober 1648 wird der "Westfälische Friede" unterzeichnet. Schweden und Frankreich erzielen territoriale Gewinne und haben künftig das Recht, als ausländische Mächte in deutschen Reichs-angelegenheiten mitzureden.

 

Endlich Frieden, aber was für ein Frieden! Das Land ist entvölkert und verwüstet. Es dauert viele Jahrzehnte, bis die Narben einigermaßen verheilt sind.

 

 

Literatur:

Wittelsbach und Bayern, Ausstellungskatalog 1980, Bd. I 2 und II 2

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